Diagnostische Kriterien:

  1. Attacken bei einer menstruierenden Frau, welche die Kriterien einer 1.1 Migräne ohne Aura erfüllen
  2. Die Attacken weisen keine feste Beziehung zur Menstruation auf1

Anmerkung:

  1. D.h., sie erfüllen nicht das Kriterium B für A1.1.1 rein menstruelle Migräne ohne Aura oder A1.1.2 menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura.

Kommentare:

Diese Subklassifizierung der 1.1 Migräne ohne Aura wird nur auf menstruierende Frauen angewandt.

Die Wichtigkeit der Unterscheidung zwischen A1.1.1 rein menstrueller Migräne ohne Aura und A1.1.2 menstruationsassoziierter Migräne ohne Aura liegt darin, dass bei der rein menstruellen Migräne eine hormonelle Prophylaxe mit einer höheren Wahrscheinlichkeit effektiv ist. Die Diagnose erfordert den prospektiv dokumentierten Nachweis über ein Minimum von 3 Zyklen, da viele Frauen den Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne überbewerten.

Menstruelle Migräneattacken verlaufen meist ohne Auren. Hat eine Frau sowohl eine Migräne mit Aura als auch ohne Aura, ist die Migräne mit Aura anscheinend meist nicht menstruationsassoziiert.

Die Mechanismen der Migräne unterscheiden sich möglicherweise in Abhängigkeit davon, ob die endometriale Blutung als Folge des normalen endogenen Menstruationszyklusses oder eines Entzuges von externen Gestagenen (wie bei kombinierten oralen Kontrazeptiva und einer zyklischen Hormonersatztherapie). So resultiert der endogene Menstruationszyklus aus komplexen hormonellen Veränderungen der Achse von Hypothalamus, Hypophyse und Ovarien, die die Ovulation bedingen, welche wiederum durch Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva unterdrückt wird. Diese Subpopulationen sollten daher in der Forschung getrennt untersucht werden. Möglicherweise sollten sich auch die Behandlungsstrategien für die Subpopulationen unterscheiden.

Es gibt Hinweise, dass zumindest bei einigen Frauen menstruelle Migräneattacken durch einen Östrogenentzug ausgelöst werden können, auch wenn möglicherweise andere hormonelle oder biochemische Veränderungen zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ebenfalls relevant sein können. Wenn eine rein menstruelle Migräne oder menstruationsassoziierte Migräne mit einem exogenen Östrogenentzug in Zusammenhang stehen, sollten beide Diagnosen A1.1.1 rein menstruelle Migräne ohne Aura bzw. A1.1.2 menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura und 8.4.3 Östrogenentzugskopfschmerz vergeben werden.

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