IHS Diagnose ICD-10
10.3.3 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine hypertensive Enzephalopathie [I67.4] G44.813  

Diagnostische Kriterien:

  1. Kopfschmerz, der wenigstens eines der nachfolgenden Charakteristika aufweist und die Kriterien C und D erfüllt:
    1. diffuser Schmerz
    2. pulsierender Charakter
    3. Verstärkung durch körperliche Aktivität
  2. Anhaltende Blutdruckerhöhung auf >160/100 mm Hg und wenigstens zwei der folgenden Symptome sind vorhanden:
    1. Verwirrtheitszustand
    2. eingeschränkte Bewusstseinslage
    3. Sehstörungen (nicht wie bei einer typischen Migräneaura) einschließlich Blindheit
    4. zerebrale Krampfabfälle
  3. Der Kopfschmerz entwickelt sich in engem zeitlichen Zusammenhang zur Blutdruckerhöhung
  4. Der Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 3 Monaten nach effektiver Behandlung und Kontrolle der arteriellen Hypertonie
  5. Andere Ursachen für die neurologische Symptomatik wurden ausgeschlossen

Kommentare:

Eine hypertensive Enzephalopathie entsteht, wenn eine zerebrale Hyperperfusion als Folge eines Blutdruckanstieges nicht länger durch eine kompensatorische zerebrale Vasokonstriktion verhindert werden kann. Mit dem Zusammenbruch der zerebralen Autoregulation zur Steuerung des Blutflusses steigt die endotheliale Permeabilität an und es entwickelt sich ein Hirnödem. Im MRT ist dies vornehmlich in der weißen Substanz der Parietookzipitalregion zu sehen.

Obwohl eine hypertensive Enzephalopathie bei Patienten mit einer chronischen arteriellen Hypertonie üblicherweise mit einem diastolischen Blutdruck von >120 mmHg und einer Retinopathie Grad 3 oder 4 (Keith-Wagner Klassifikation) einhergeht, können auch Patienten mit einem ursprünglich normalen Blutdruck Zeichen einer Enzephalopathie bereits bei Blutdruckwerten, die unterhalb 160/100 mmHg liegen, entwickeln. Eine hypertensive Retinopathie muss zum Zeitpunkt der klinischen Manifestation einer Enzephalopathie noch nicht in jedem Fall präsent sein.

Jede Ursache einer arteriellen Hypertonie einschließlich Phäochromozytom und Zufuhr vasopressorisch wirksamer Toxine kann zu einer hypertensiven Enzephalopathie führen.

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