IHSDiagnoseICD-10
10.1.2Taucherkopfschmerz G44.882  
An anderer Stelle kodiert 1. Migräne , 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp , 4.3 primärer Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung , 11.2.1 zervikogener Kopfschmerz , 13.6 Supraorbitalisneuralgie , 13.10 Kopfschmerz durch äußeren Druck und 13.11 kältebedingter Kopfschmerz ausgelöst durch Tauchen werden bei diesen Störungen kodiert.

Diagnostische Kriterien:

  1. Kopfschmerz, der die Kriterien C und D erfüllt (keine typischen Charakteristika bekannt)
  2. Tauchgang in eine Tiefe von unter 10 Meter
  3. Der Kopfschmerz tritt beim Tauchen auf und wird von wenigstens einem der folgenden Symptome einer CO2-Intoxikation bei fehlender Dekompressionskrankheit begleitet:
    1. Schwindelgefühl
    2. Verwirrtheitszustand
    3. Dyspnoe
    4. Gesichtsrötung
    5. Motorischen Koordinationsstörungen
  4. Der Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 60 Minuten nach einer Behandlung mit 100% O2.

Kommentar:

Es ist bekannt, dass eine Hyperkapnie (arterieller PCO2 > 50 mmHg) zu einer Relaxation der glatten Muskulatur zerebraler Gefäße und damit zu einer Vasodilatation und einer Erhöhung des intrakranialen Druckes führt. Es gibt einige Anhaltspunkte, dass eine Hyperkapnie ohne gleichzeitige Hypoxie mit Kopfschmerzen assoziiert sein kann. Das beste klinische Beispiel für Kopfschmerzen, die auf eine Hyperkapnie zurückzuführen sind, sind Kopfschmerzen bei Tauchern. Kohlendioxid kann sich bei einem Taucher akkumulieren, der beim missglückten Versuch, Atemluft zu konservieren, die Luft gezielt intermittierend anhält (skip breathing) oder nur oberflächlich atmet, um die Variabilität des Auftriebs in engen Passagen eines Wracks oder einer Höhle zu minimieren. Taucher hypoventilieren manchmal aber auch unbewusst, wenn ein enger Tauchanzug oder eine auftriebsvermindernde Weste die Ausdehnung des Brustkorbes behindern oder die Atmung im Vergleich zur körperlichen Anstrengung nicht ausreichend ist. Eine starke körperliche Anstrengung erhöht die CO2-Produktion um mehr als das 10-fache und führt zu einer vorrübergehenden CO2-Erhöhung auf über 60 mm Hg. Üblicherweise nehmen die Kopfschmerzen während der Dekompressionsphase des Tauchganges oder beim Wiederauftauchen zu.

Ein milder, unspezifischer Kopfschmerz ist aber auch bei Tauchern mit einer Dekompressionskrankheit üblich und ist dann möglicherweise verbunden mit muskuloskeletalen Schmerzen und in ernsteren Fällen mit fokal-neurologischen Symptomen, Störungen der Atmung, Bewusstlosigkeit und/oder kognitiven Defiziten.

Kopfschmerzen bei Tauchern können aber auch die Folge einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid sein. Letzteres kann in seltenen Fällen die Luftversorgung eines Tauchers kontaminieren, wenn das luftzuführende System so positioniert ist, dass es die Abgase eines unsachgemäß positionierten Verbrennungsmotor ansaugt. Ein solcher Kopfschmerz wird unter 8.1.3 Kopfschmerz durch Kohlenmonoxid induziert kodiert.

Eine Migräne, Kopfschmerzen vom Spannungstyp, primäre Kopfschmerzen bei körperlicher Anstrengung, zervikogene Kopfschmerzen, eine Supraorbitalisneuralgie, Kopfschmerzen durch äußeren Druck und kältebedingte Kopfschmerzen können während eines Tauchganges auftreten. In diesem Fall sollte das Tauchen eher als ein begünstigender Faktor als als Ursache berücksichtigt werden.

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