IHS Diagnose ICD-10
8.1.2 Kopfschmerz induziert durch Phosphodiesterase(PDE)-Hemmer [X44] G44.40  

Diagnostische Kriterien:

  1. Kopfschmerz, der wenigstens eines der nachfolgenden Charakteristika aufweist und die Kriterien C und D erfüllt:
    1. bilateral
    2. frontotemporal lokalisiert
    3. pulsierender Charakter
    4. Verstärkung durch körperliche Aktivität
  2. Einmalgabe eines Phosphodiesterase-Inhibitors
  3. Der Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 5 Stunden nach Einnahme des Phosphodiesterase-Inhibitors
  4. Der Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 72 Stunden

Kommentar:

Die Phosphodiesterase ist eine große Gruppe von Enzymen, die die zyklischen Nukleotide cGMP und cAMP abbauen. Wird die Phosphodiesterase inhibiert, steigen folglich die Konzentrationen von cGMP und/oder cAMP an. Die Phosphodiesterase-5-Inhibitoren Sildenafil und Dipyridamol sind die einzigen formal untersuchten Substanzen aus dieser Gruppe. Der Kopfschmerz ist, anders als nach Nitroglyzerin, monophasisch. Bei Gesunden weist er die Charakteristika eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp auf, bei Migränepatienten die einer Migräne ohne Aura. Kopfschmerzen wurden bereits in klinischen Studien als eine Nebenwirkung von Sildenafil dokumentiert, aber erst neuere experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Nebenwirkung in der Mehrzahl von jungen Menschen, insbesondere bei Frauen, auftritt. Bei Migränepatienten löst Sildenafil üblicherweise Migräneattacken aus. Migränepatienten sollten vor dieser Nebenwirkung gewarnt werden.