IHS Diagnose ICD-10
8.1.1.2 Verzögerter Kopfschmerz induziert durch Stickoxid(NO)-Donatoren [X44] G44.400  

Diagnostische Kriterien:

  1. Kopfschmerz bei einer Person, die unter primären Kopfschmerzen leidet, mit den Charakteristika dieses primären Kopfschmerztypes1 und der die Kriterien C und D erfüllt
  2. Aufnahme eines Stickoxid-Donators
  3. Der Kopfschmerz entwickelt sich, nachdem das Stickoxid bereits aus dem Körper eliminiert wurde2
  4. Der Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 72 Stunden nach einer einmaligen Exposition

Anmerkung:

  1. Gesunde Personen entwickeln nur selten einen Kopfschmerz induziert durch Stickoxid(NO)-Donatoren, während Migränepatienten eine Migräneattacke ohne Aura, Patienten mit einem Kopfschmerz vom Spannungstyp einen Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterpatienten eine Clusterkopfschmerzattacke bekommen.
  2. Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne entwickeln sich im Mittel erst nach 5-6 Stunden, Clusterkopfschmerzen typischerweise nach 1 bis 2 Stunden.

Kommentar:

Die Kopfschmerzen sind typischerweise bilateral frontotemporal lokalisiert und weisen einen pulsierenden Charakter auf.

Alle Stickoxid-Donatoren (d.h. Amylnitrat, Erythrityltetranitrat, Glyceryltrinitrat [Nitroglyzerin], Isosorbidmono- oder -dinitrat, Natriumnitroprussid, Mannitolhexanitrat, Pentaerythritoltetranitrat) können diesen Kopfschmerztyp insbesondere bei Migränepatienten auslösen. Nitroglyzerin ist die am besten untersuchte Substanz. Nitroglyzerin verursacht bei den meisten Menschen zuverlässig Kopfschmerzen, wobei Migränepatienten einen deutlich stärkeren Sofortkopfschmerz entwickeln. Nitroglyzerin kann bei Migränepatienten aber auch einen verzögerten Kopfschmerz hervorrufen, welcher die diagnostischen Kriterien einer 1.1. Migräne ohne Aura erfüllt, auch bei solchen Patienten, die spontan normalerweise Migräneattacken mit Aura entwickeln. Bei Patienten mit einem chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp konnte bereits länger gezeigt werden, dass Nitroglyzerin einen verzögerten Kopfschmerz induzieren kann, der die Charakteristika eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp aufweist. Es ist nicht bekannt, ob derselbe Effekt auch bei Patienten mit einem episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp auftritt. Clusterkopfschmerzpatienten entwickeln außerhalb einer Clusterperiode keine verzögerten Kopfschmerzen. Hingegen löst Nitroglyzerin in einer aktiven Clusterperiode sehr zuverlässig Clusterattacken aus. Diese treten üblicherweise 1-2 Stunden nach Nitroglyzerinexposition auf. Im Gegensatz dazu treten die verzögerten Kopfschmerzen bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne zwar sehr variabel, im Mittel jedoch erst 5-6 Stunden nach Exposition auf.

Kopfschmerzen sind eine bekannte Nebenwirkung des therapeutischen Einsatzes von Nitroglyzerin und anderen Stickoxid-Donatoren. Bei Dauereinsatz entwickelt sich eine Toleranz innerhalb einer Woche und bei den meisten Betroffenen verschwindet der Nitroglyzerin-induzierte Kopfschmerz innerhalb dieser Zeit. Bei unregelmäßigem Einsatz bleibt der Kopfschmerz bestehen und kann stark genug sein, den therapeutischen Einsatz bei Angina pectoris zu verhindern. Da die meisten Herzpatienten aber männlich und im höheren Alter sind, erklärt sich, warum dieses Problem nicht von größerer praktischer Bedeutung ist.

Andere Stickoxid-Donatoren sind deutlich weniger untersucht, aber es bestehen ausreichend Anhaltspunkte, dass auch sie Kopfschmerzen verursachen können. Isosorbidmononitrat wurde in einer einzelnen doppelblind-kontrollierten Studie untersucht und verursacht einen länger anhaltenden Kopfschmerz als Nitroglyzerin, was auf eine langsamere Freisetzung von Stickoxid zurückzuführen ist.

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