IHSDiagnoseICD-10
8.1Kopfschmerz induziert durch akuten Substanzgebrauch oder akute SubstanzexpositionG44.40  
An anderer Stelle kodiert 10.3.6 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen akuten Blutdruckanstieg durch eine exogene Substanz.

Einleitung

Diese Gruppe von Kopfschmerzen kann verursacht werden durch 1. eine unerwünschte Wirkung einer toxischen Substanz, 2. als unerwünschte Wirkung einer Substanz im Rahmen des normalen therapeutischen Einsatzes und 3. in experimentellen Untersuchungen.

Substanzen wie Kohlenmonoxid, die durch ihre toxische Wirkung Kopfschmerzen verursachen, können verständlicherweise nicht experimentell untersucht werden. Die kausale Verknüpfung zwischen Exposition und den Kopfschmerzen kann hier nur aus Fallbeschreibungen abgeleitet werden, in denen die Substanzen versehentlich oder in suizidaler Absicht angewendet wurden.

Kopfschmerzen als Nebenwirkung sind für viele Medikamente dokumentiert, wobei sich wahrscheinlich oftmals hierin nur die ohnehin hohe Prävalenz von Kopfschmerzen wiederspiegelt. Nur wenn Kopfschmerzen in doppelblind-kontrollierten Studien häufiger nach Verum als nach Placebo auftreten, können sie als echte Nebenwirkung betrachtet werden. Mittels doppelblindem Studiendesign kann die Beziehung zwischen Medikamentenwirkung und Kopfschmerzen auch experimentell untersucht werden. Solche Untersuchungen können, wie z.B. bei den Stickoxid-Donatoren, zu einem tieferen Verständnis der Beteiligung von Neurotransmittern bei der Entstehung von primären Kopfschmerzen beitragen. Eine Vielzahl von Substanzen wie Stickoxid-Donatoren und Histamin lösen bei Gesunden und Migränepatienten unmittelbar Kopfschmerzen aus. Patienten, die unter primären Kopfschmerzen leiden, können darüber hinaus jedoch zusätzlich mit einer Verzögerung von einer bis mehreren Stunden, nachdem die auslösende Substanz aus dem Körper eliminiert wurde, Kopfschmerzen entwickeln.

Substanzen mit potentiell kopfschmerzauslösendem Effekt im klinischen Alltag sollten entsprechend gekennzeichnet werden. Im allgemeinen sind Migränepatienten empfänglicher für derartige Kopfschmerzen als Gesunde. Dasselbe gilt möglicherweise auch für Patienten, die unter chronischen oder episodischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp bzw. einer aktiven Episode eines Clusterkopfschmerzes leiden.

Paradoxerweise haben Kopfschmerzen, die nach einem starken Alkoholgenuss auftreten, bei den meisten Menschen auch einen positiven Effekt, in dem sie zukünftig einen exzessiven Genuss vermeiden helfen.

Einige Substanzkombinationen können Kopfschmerzen auch dann hervorrufen, wenn die einzelnen Substanzen dieses nicht vermögen. Dies gilt z.B. für die Kombination aus Alkohol und Disulfiram.

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