IHS Diagnose ICD-10
7.6.2 Kopfschmerz nach zerebralem Krampfanfall [G40.x oder G41.x zur Spezifizierung des Anfalltyps] G44.82  

Diagnostische Kriterien:

  1. Kopfschmerz mit Merkmalen eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder bei einem Migränepatienten mit Merkmalen einer Migräne, der die Kriterien C und D erfüllt
  2. Der Patient hatte einen fokalen oder generalisierten zerebralen Krampfanfall
  3. Der Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 3 Stunden nach dem zerebralen Krampfanfall
  4. Der Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 72 Stunden nach dem zerebralen Krampfanfall

Kommentar:

Postiktale Kopfschmerzen mit Migränemerkmalen sind eine anerkannte Folge einer Anfallsentladung. Postiktale Kopfschmerzen sind von Migräneanfällen häufig nicht zu unterscheiden und von Übelkeit und Erbrechen begleitet Sie sind gleich häufig bei Patienten mit oder ohne positiver Migränefamilienanamnese. Eine andere Ähnlichkeit mit Migränekopfschmerzen ist, dass bei einigen Patienten postiktale Kopfschmerzen 3 bis 15 Minuten nach dem Ende visueller Halluzinationen auftreten und um so stärker und länger ausgeprägt sind, je länger die visuellen Erscheinungen waren. Entsprechende postiktale Kopfschmerzen wurden zwar auch bei symptomatischen Patienten beschrieben, sie werden jedoch hauptsächlich bei idiopathischen Okzipitallappenanfällen gefunden. Möglicherweise können durch generalisierte Entladungen im Bereich des Okzipitallappens echte Migräneattacken über trigeminovaskuläre oder Hirnstammmechanismen getriggert werden.

In einer Studie mit 100 Epilepsiepatienten traten postiktale Kopfschmerzen bei 51 Patienten auf. Sie hielten in der Regel zwischen 6-72 Stunden an. Generalisierte Anfälle gingen häufiger als fokale Anfälle mit Kopfschmerzen einher. Neun dieser Patienten litten auch unter einer Migräne: Bei acht dieser Patienten wurde durch die Krampfanfälle eine, wenn auch milde, typische Migräneattacke ausgelöst. Die postiktalen Kopfschmerzen der übrigen 40 Patienten gingen in 11 Fällen mit Erbrechen, in 14 Fällen mit Photophobie und in 4 Fällen mit beidem einher. Der Kopfschmerz war durch Husten, Bücken und plötzliche Kopfbewegungen zu verschlechtern und durch Schlaf zu bessern. Damit ist eindeutig, dass zerebrale Krampfanfälle ein Syndrom hervorrufen können, das in 50 % der Fälle der Kopfschmerzphase einer Migräne entsprecht.

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