IHS Diagnose ICD-10
7.6 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen zerebralen Krampfanfall [G40.x oder G41.x zur Spezifizierung des Anfalltyps] G44.82  

Kommentar:

Die Verbindungen zwischen Migräne und Epilepsie sind komplex und bidirektional. Möglicherweise gibt es genetische und/oder Umweltfaktoren, die bei beiden Arten von Attacken die neuronale Erregbarkeit erhöhen bzw. die Schwelle für die Auslösung senken. Epilepsie und Migräne können nebeneinander vorhanden sein, ohne dass die eine Erkrankung einen Risikofaktor für die jeweils andere darstellt. Epilepsie und Migräne können jedoch auch als Folge bestimmter Hirnerkrankungen (z.B. MELAS) bei einem Patienten zusammen auftreten, wobei die Attacken jeweils zeitlich getrennt verlaufen. Weiterhin besteht anscheinend eine hohe Migräneinzidenz bei bestimmten Epilepsieformen, wie der benignen Okzipitalepilepsie, der benignen Rolando-Epilepsie und der kortikoretikulären Epilepsie mit Absencen. Darüber hinaus können sich strukturelle Läsionen, wie z.B. eine arteriovenöse Malformation, sowohl mit dem klinischen Bild einer Migräne mit Aura als auch mit zerebralen Krampfanfällen manifestieren, wobei letztere wiederum meist von Kopfschmerzen begleitet werden. Schließlich wurden zerebrale Krampfanfälle beschrieben, die während oder unmittelbar nach Migräneauren auftraten. Der Begriff "Migralepsie" wurde geprägt, um einen epileptische Anfall zu beschreiben, der zwischen der Aura und der Kopfschmerzphase einer Migräneattacke auftritt. Es sollte kein Grund dafür bestehen, dass epileptische Anfälle, die so empfindlich für äußere und innere Auslösefaktoren sind, nicht auch empfänglich für die kortikalen Veränderung sind, die durch eine Migräne hervorgerufen werden. Dies ist jedoch so selten, dass nur einige Fallberichte veröffentlicht wurden, trotz der Tatsache, dass Migräne und Epilepsie zu den häufigeren Hirnerkrankungen gehören. Einer neueren Veröffentlichung zufolge handelt es sich meistens um genuine Okzipitallappenepilepsien, die eine Migräneaura imitieren. Zwei der drei Patienten von Lennox und Lennox (1990) scheinen z.B. eine symptomatische oder idiopathische Okzipitallappenepilepsie mit visuellen Halluzinationen zu haben.

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