IHSDiagnoseICD-10
2.3Chronischer Kopfschmerz vom SpannungstypG44.2  
An anderer Stelle kodiert 4.8 neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz

Beschreibung:

Erkrankung, die sich aus einem episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp entwickelt und mit täglichen oder sehr häufigen Kopfschmerzepisoden mit einer Dauer von Minuten bis Tagen einhergeht. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert und von drückender, beengender Qualität. Er erreicht eine leichte bis mäßige Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Routineaktivitäten. Milde Übelkeit, Photophobie oder Phonophobie können vorhanden sein.

Diagnostische Kriterien:

  1. Ein Kopfschmerz, der die Kriterien B-D erfüllt, tritt an durchschnittlich ≥15 Tagen / Monat über mindestens 3 Monate (mindestens 180 Tage / Jahr)1 auf
  2. Der Kopfschmerz hält für Stunden an oder ist kontinuierlich vorhanden
  3. Der Kopfschmerz weist mindestens 2 der folgenden Charakteristika auf:
    1. beidseitige Lokalisation
    2. Schmerzqualität drückend oder beengend, nicht pulsierend
    3. eichte bis mittlere Schmerzintensität
    4. keine Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten wie Gehen oder Treppensteigen
  4. Beide folgenden Punkte sind erfüllt:
    1. Höchstens eines ist vorhanden: milde Übelkeit oder Photophobie oder Phonophobie
    2. weder Erbrechen noch mittlere bis starke Übelkeit
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen2;3

Anmerkungen:

  1. Der 2.3 chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp entwickelt sich mit der Zeit aus einem episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp; wenn die Kriterien A-E von einem Kopfschmerz erfüllt werden, der eindeutig täglich auftritt und von den ersten 3 Tagen seines Auftretens an nicht remittiert ist, erfolgt eine Kodierung unter 4.8. neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz. Wird die Art und Weise des Kopfschmerzbeginns nicht erinnert oder ist der Beginn unklar, sollte eine Kodierung unter 2.3 chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp erfolgen.
  2. Vorgeschichte, körperliche und neurologische Untersuchungen geben keinen Hinweis auf eine der unter 5 bis 12 aufgeführten Erkrankungen oder Vorgeschichte und/oder körperliche und/oder neurologische Untersuchungen lassen an eine solche Erkrankung denken, doch konnte diese durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden oder eine solche Erkrankung liegt vor, die Kopfschmerzen traten jedoch nicht erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit dieser Erkrankung auf.
  3. Besteht ein Medikamentenübergebrauch, der das Kriterium B einer der Unterformen von 8.2. Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch erfüllt, bleibt es solange unsicher, ob dieses Kriterium E tatsächlich erfüllt ist, solange es nicht innerhalb von 2 Monaten nach Medikamentenentzug zu keiner Besserung gekommen ist (siehe Kommentar).

Kommentare:

Die Einführung der 1.5.1 chronischen Migräne in der 2. Auflage der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzen hat das Problem der Differentialdiagnose zwischen dem 2.3. chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp und dieser chronischen Migräne aufgeworfen. Beide Diagnosen erfordern Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat, die die jeweiligen Kopfschmerzkriterien erfüllen. Es ist damit theoretisch möglich, dass ein Patient beide Diagnose aufweist. Ein sehr kleine Gruppe von Patienten weist Kopfschmerzen mit 15 oder mehr Attacken pro Monat auf, die die diagnostischen Kriterien sowohl für eine 1.5.1 chronische Migräne als auch einen 2.3. chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp erfüllen. Dies ist möglich, wenn jeweils genau 2 von 4 Schmerzkriterien erfüllt sind und gleichzeitig eine leichte Übelkeit besteht. In diesen Einzelfällen sollten andere klinische Hinweise berücksichtigt werden, die in den diagnostischen Kriterien nicht erwähnt werden. Der klinisch Tätige sollte dann die bestmögliche Diagnose wählen. Wenn unsicher ist, wie viele Attacken den einen oder anderen Satz von diagnostischen Kriterien erfüllen, wird der prospektive Einsatz eines Kopfschmerzkalenders dringend empfohlen.

In vielen unklaren Fällen spielt ein Medikamentenübergebrauch eine Rolle. Erfüllt dieser das Kriterium B einer der Unterformen von 8.2. Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ist die Grundregel, sowohl 2.4.3 wahrscheinlicher chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp als auch 8.2.7 wahrscheinlichen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zu kodieren. Sind die Kriterien 2 Monaten nach Ende des Medikamentenübergebrauch noch immer erfüllt, sollte allein 2.3. chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp als Diagnose gewählt und die Diagnose 8.2.7 wahrscheinlicher Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch fallengelassen werden. Sind die Kriterien jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt früher nicht mehr erfüllt, weil eine Verbesserung eingetreten ist, sollte 8.2 Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch diagnostiziert werden. Die Diagnose 2.4.3 wahrscheinlicher chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp fällt dann weg.

Nicht vergessen sollte man, dass einige Patienten mit einem reinen chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp migräneähnliche Symptome in Phasen starker Schmerzen entwickeln. Umgekehrt können auch Patienten mit Migräne im Intervall zunehmend Kopfschmerzen wie bei einem Spannungskopfschmerz entwickeln, deren Genese letztlich unklar ist.

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