IHS Diagnose ICD-10
1.2.3 Typische Aura ohne Kopfschmerz G43.104  

Beschreibung:

Typische Aura bestehend aus visuellen und/oder sensiblen Störungen und/oder Sprachstörungen. Allmähliche Entwicklung, Dauer von weniger als 1 Stunde, Auftreten positiver wie negativer Symptome und komplette Reversibilität charakterisieren die Aura, die hier ohne jegliche Kopfschmerzen auftritt.

Diagnostische Kriterien:

  1. Mindestens 2 Attacken, welche die Kriterien B-D erfüllen
  2. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden Symptome mit oder ohne Sprachstörung, jedoch nicht aus einer motorischen Schwäche:
    1. vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    2. vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    3. vollständig reversible dysphasische Sprachstörung
  3. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    1. homonyme visuelle Symptome1 und/oder einseitige sensible Symptome
    2. wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    3. Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  4. Keine Kopfschmerzen beginnen während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 Minuten
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen2

Anmerkung:

  1. Ein zusätzlicher Verlust oder eine Unschärfe des zentralen Sehens kann auftreten.
  2. Vorgeschichte, körperliche und neurologische Untersuchungen geben keinen Hinweis auf eine der unter 5 bis 12 aufgeführten Erkrankungen oder Vorgeschichte und/oder körperliche und/oder neurologische Untersuchungen lassen an eine solche Erkrankung denken, doch konnte diese durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden oder eine solche Erkrankung liegt vor, Migräneattacken traten jedoch nicht erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit dieser Erkrankung auf.

Kommentar:

Bei einigen Patienten folgen einer typischen Migräneaura immer Migränekopfschmerzen. Viele Patienten weisen jedoch zusätzlich Migräneauren auf, die von Kopfschmerzen gefolgt werden, die nicht migränetypisch sind oder bei denen die Kopfschmerzen gänzlich fehlen. Eine kleine Gruppe von Patienten hat ausschließlich 1.2.3 Migräneauren ohne Kopfschmerz. Häufiger ist es, dass bei Patienten mit einer 1.2.1 typischen Migräneaura mit Migränekopfschmerz im fortschreitenden Lebensalter die Kopfschmerzen ihren migränetypischen Charakter verlieren oder die Kopfschmerzen vollständig verschwinden, während die Auraanfälle bestehen bleiben. Einige Patienten, vornehmlich Männer, weisen von Beginn an 1.2.3 Migräneauren ohne Kopfschmerz auf.

Fehlt ein Kopfschmerz, der die Kriterien einer 1.1 Migräne ohne Aura erfüllt, ist eine exakte Diagnose der Aura und gegebenenfalls die Unterscheidung von klinisch ähnlichen Phänomenen, die auf eine ernsthafte Erkrankung (wie eine transitorische ischämische Attacke) hinweisen, umso wichtiger. Die Abgrenzung kann weitere Untersuchungen erforderlich machen. Andere Ursachen müssen insbesondere ausgeschlossen werden, wenn die Aura nach den 40. Lebensjahr beginnt, negative Phänomene vorherrschen (z.B. Hemianopsie) oder die Aura sehr lang oder nur sehr kurz anhält.

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