IHS Diagnose ICD-10
1.2.1 Typische Aura mit Migränekopfschmerz G43.10  

Beschreibung:

Typische Aura bestehend aus visuellen und/oder sensiblen Störungen und/oder Sprachstörungen. Allmähliche Entwicklung, Dauer von weniger als einer Stunde, Auftreten positiver wie negativer Symptome und komplette Reversibilität charakterisieren die Aura, die verbunden ist mit Kopfschmerzen, die die Kriterien einer 1.1 Migräne ohne Aura erfüllen.

Diagnostische Kriterien:

  1. Mindestens 2 Attacken, welche die Kriterien B-D erfüllen
  2. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden Symptome, nicht aber aus einer motorischen Schwäche
    1. vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    2. vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    3. vollständig reversible dysphasische Sprachstörung
  3. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    1. homonyme visuelle Symptome1 und/oder einseitige sensible Symptome
    2. wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    3. Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  4. Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine 1.1 Migräne ohne Aura erfüllen, beginnen noch während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 Minuten
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen2

Anmerkung:

  1. Ein zusätzlicher Verlust oder eine Unschärfe des zentralen Sehens kann auftreten.
  2. Vorgeschichte, körperliche und neurologische Untersuchungen geben keinen Hinweis auf eine der unter 5 bis 12 aufgeführten Erkrankungen oder Vorgeschichte und/oder körperliche und/oder neurologische Untersuchungen lassen an eine solche Erkrankung denken, doch konnte diese durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden oder eine solche Erkrankung liegt vor, Migräneattacken traten jedoch nicht erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit dieser Erkrankung auf.

Kommentar:

Dieser Typ ist die häufigste Form der Migräne mit Aura. Die Diagnose erschließt sich bereits aus der sorgfältig erhobenen Vorgeschichte, obgleich es selten sekundäre Imitationen der Symptome durch andere Erkrankungen wie eine Karotisdissektion, eine arteriovenöse Malformation oder einen zerebralen Krampfanfall gibt.

Die visuelle Aura ist der häufigste Auratyp, häufig in Form eines Fortifikationsspektrums. Man versteht darunter eine Zickzackfigur nahe dem Fixationspunkt, die sich allmählich nach rechts oder links ausbreitet, eine lateralkonvexe Form mit gezackter flimmernder Randzone annimmt und in ihrem Zentrum ein graduell unterschiedliches absolutes oder relatives Skotom hinterlässt. In anderen Fällen tritt ein Skotom ohne positive visuelle Phänomene auf, dessen Beginn oft akut beschrieben wird, bei genauerer Analyse aber doch eine allmähliche Größenzunahme aufweist.

Nächsthäufiges Aurasymptom sind Sensibilitätsstörungen in Form von nadelstichartigen Parästhesien, die sich langsam vom Ursprungsort ausbreiten und größere oder kleinere Teile einer Körperhälfte einschließlich des Gesichtes erfassen können. In der Folge dieser Sensibilitätsstörung kann ein sensibles Defizit zurückbleiben, es kann aber auch als alleiniges Symptom auftreten. Weniger häufig sind Sprachstörungen, üblicherweise dysphasische Störungen, die jedoch meist schwer einzuordnen sind. Falls eine Aura eine motorische Schwäche beinhaltet, sollte eine 1.2.4 familiäre hemiplegische Migräne oder 1.2.5 sporadische hemiplegische Migräne kodiert werden.

Gewöhnlich folgen die einzelnen Symptome aufeinander beginnend mit visuellen Symptomen, gefolgt von Sensibilitätsstörungen und gegebenenfalls der Dysphasie. Eine umgekehrte Reihenfolge oder eine andere Reihung ist jedoch auch beschrieben. Wenn Patienten Schwierigkeiten bei der Beschreibung ihrer Symptome haben, sollten sie angeleitet werden, den Zeitablauf und die Symptome aufzuzeichnen. Übliche Fehler sind ungenaue Angabe über die Lateralisation der Kopfschmerzen, Angaben eines plötzlichen anstatt eines tatsächlichen graduellen Beginns der Aurasymptome, Angabe von monokulären anstatt tatsächlichen homonymen visuellen Störungen, ungenaue Angaben über die Dauer der Aura sowie irrtümliche Annahme einer motorischen Schwäche bei einem tatsächlichem sensiblen Defizit. Nach dem Erstgespräch kann der Gebrauch eines Aurakalenders die Diagnose erhellen.

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